Tuesday, 29. december 2009 2 29 /12 /Dez. /2009 21:02
Fragen mit denen ich mich herrumplage kurz vor der Heimreise.

Das soll es also schon gewesen sein, mein Jahr in der Dominikanischen Republik, in der Fremde, in dem Land, welches einerseits eine neue Heimat für mich geworden ist, an das ich mich aber wahrscheinlich trotzdem nie so richtig gewöhnen hätte können. Warum? Ich weiss es nicht. Wahrscheinlich gibt es einfach zu viele Unterschiede zu meiner wirklichen Heimat. Auf zu viele Annehmlichkeiten musste verzichtet werden, auch wenn ich in besser situierten Familien gelebt habe. Die Kultur, die Verhaltensweisen: sehr interessant, schön und Lehrreich, wie ich es mir erhofft hatte. Dennoch bin ich nach einem Jahr irgendwie froh wieder nach Hause, in die westliche Welt gehen zu können.

Zu oft stößt man auf Situationen, auf Menschen, die man nicht verstehen kann/will, Situationen in denen man sich ungläubig fragt warum die Person so anders denkt, sich so anders verhält, warum nicht einfach der (eigenen) Logik folgt. Germerkt habe ich, dass oft genau die Personen die sich am Weltoffensten geben die eingeschränktesten Sichten hatten, sich auf nichts einlassen wollten was nicht ihrer Ideologie entspricht. Viele Personen, die oft die eigene Kultur verleugnen, lieber Amerikaner oder Europäer wären. Andere die meinen ihre eigene Kultur, (trotz der guten Kenntnis anderer) wäre das Non plus ultra/ unaustauschbar (AFS-Mitarbeiter an vorderster Front).

So stehe ich nun knapp 2 Wochen vor meinem Heimflug, bin hin und hergerissen ob ich mich freuen soll wieder heimzukehren - Familie und Freunde wiederzusehen, Dinge wie Kebab, Currywurst, Becks, oder auch eine italienische Pizza und thailändisches Essen wieder wie gewohnt in Reichweite zu haben - oder ob ich trauern soll wegen der Dinge die ich zurücklassen muss (und sei es nicht für immer), wegen der Familie, der Arbeit, der Freunde, der Kinder in der Vorschule die ich alle sehr vermissen werde und anderem...
Fest steht das ich bald wieder hier sein werde, Anfang Sommer, oder im August um mit Arthur nochmal herzukommen, welcher sehr glücklich in seiner Familie ist, die ihm vor kurzem angeboten hat ab nächstem August für ein weiteres Jahr bei ihr zu wohnen, samt gutem Job in Mamas Hotel.

Zunächst wird es für mich jetzt aber erstmal heißen: Job suchen, fürs Studium anmelden und Zukunft ein wenig planen. Zwischendurch wird es dann noch ein Nachbereitungsseminar geben, auf dem sich die weltwärts-Januar-2009-ausreisenden alle nochmal treffen, über ihr Jahr sinnieren, eigenartige AFS-Energizer spielen (Kinder-hüpfspiele, die bei der AFS-Philosophie ganz an erster Stelle zu stehen scheinen).
Ach und hoffentlich, hoffentlich wird auch über die bessere Anwendung des weltwärtsprogrammes von AFS nachgedacht und diskutiert.

Nachdem AFS-Dominikanische Republik es nicht hinbekommen hat die ganzen unannehmlicheiten mit AFS-Deutschland zu klären (Geldfragen, schlechte Krankenversicherungsregelungen usw) hat die Asociacion Dominicana de Rehabilitacion - welche immensen Freiwilligenausgaben 1 000 000 Pesos jährlich, dazu eine schlechten Behandlung durch AFS miterlebte - letztendlich die Grenze gesehen und trotz plötzlichem auftauchens aller AFS-D.R-Mitarbeiter das Handtuch geschmissen.
(Welch Wunder; nachdem AFS mitbekam, dass sie dabei sind das Projekt ADR zu verlieren, in welchem 15 von 19 Freiwilligen arbeiten, konnten sie auf einmal alle dasein, bei vorherigen bitten der ADR zu Versammlungen hieß es immer "keine Zeit", "andere Dinge zu tun", "Chef ist nicht da").
Sobald die 13 Freiwilligen, welche diesen Sommer kamen, im nächsten August die Taschen packen, werden sich die Türen der ADR für AFS für immer schließen. Schade für AFS. Wegen der ADR, welche gute Fachhilfe auf jeden Fall gebrauchen kann werden wir Freiwillige schauen ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, wie z.B. der Deutsche Entwicklungsdienst, welcher auch schon Freiwillige in der Dominikanischen Republik hat.


In Konklusion werde ich mit sicherheit noch einige Zeit brauchen um feststellen zu können wohin mich dieses Jahr gebracht hat, was ich gelernt hab, was ich helfen konnte, wie ich mich verändert hab und was es mir für meiner Zukunft hilft.
Das es mich verändert und mir geholfen hat, weiss ich schon jetzt, aber außer einigen äußerlichen Aspekten kann ich jetzt nichts wirklich beim Namen nennen.

DSC04710.JPGIMG 0453















Im Januar diesen Jahres, vor meiner Abreise nach Puerto                  Im Februar, beim Onarrival-Camp
Plata

IMG_8390.JPG IMG 9390

Vor kurzem mit den meisten der Freiwilligen aus Sto Dgo               und nochmal alleine...


Bis demnächst.


von Dominicano
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Friday, 11. december 2009 5 11 /12 /Dez. /2009 16:17
Zusammen mit Informatiker Fionn kam auch die Idee, in dem - in der Schule schon vorhandenen - Computerraum eine Informatikklasse einzurichten.  Die Idee wurde von der Oberen Etage der Rehabilitacion, insbesondere dem Direktor der Recursos Humanos,  mit offenen Armen empfangen, zumal der Computerraum ungenutzt vor sich hinlebte.

Das Programm Edubuntu, welches Fionn mitbrachte, ist ein spezielles "Kinderlernprogramm", welches von den Entwicklern von Linux für einfaches Lernen geschaffen wurde. Es stellte sich schon schnell als sehr gut geeignet herraus, da es nicht nur lehrt Computer zu bedienen, sondern ebenfalls verschiedenste Fáhigkeiten schult. Es besteht aus vielen kleinen Spielen, mit denen die Kinder lernen zu rechnen, schreiben, es  hilft die motorischen Fähigkeiten auszubilden usw.
Dadurch, dass das lernen mit 'Computer' verbunden ist, macht es den Kindern auch Spass Rechenaufgaben oder sonstiges zu lösen, was sie in der Klasse nur mit Wiederwillen machen.

Also wechselten Arthur und ich kurzerhand von der Vorschule in die Informatikklasse, als Übersetzer (Fionns Sprachkünste waren noch begrenzt) und Lehrer. Es war garnicht so schwer die 'Lehrerausbildung' zu meistern, da die Programme alle sehr leicht zu verstehen sind und man im Grunde nur ein wenig schneller sein musste beim Verstehen als die Kinder.

IMG 0836

Auf diesem Bild bin ich mit den Kindern und einer Lehrerin zu sehen, die beim verstehen scheinbar mehr Probleme hatte als die Kinder.

IMG 0838
ein Mädchen beim Memory, der Schüler rechts beim Malen (Tux-Paint)

IMG 0835

PC abgestürzt?

Dadurch, dass es durch die etwas veraltete Technik noch zu vielen Schwierigkeiten kam, waren wir manchmal gezwungen einen Unterricht abzubrechen oder abzusagen, damit Fionn das System neu hochfahren konnte/Einstellungen ändern.

Der zusätzliche Informatikunterricht hieß für die Lehrrerinnen, dass sie einmal in der Woche eine dreiviertelstunde Pause hat, da ihre Gruppe zu uns kommt. Die Kinder wollten nach dem Unterricht meist garnicht mehr raus, da Lernspiele auf dem Computer zu spielen mehr Spaß macht als in der Klasse zu sitzen und der Lehrerin zuzuhören.

Schon sehr schnell konnten wir bei einzelnen Schülern Fortschritte sehen, vor allem bei denjenigen, welche nichteinmal wussten wie man die Maus bewegt.
Denn, in jeder Gruppe sind die Schüler sehr unterschiedlich begabt. Einige wollen direkt ins Internet um sich auf Youtube Videos von Jennifer Lopez anzusehen wie sie bei einem Auftritt den abgang macht..., andere nehmen die Maus in die Hand,drehn sie um und schaun sie sich von unten an oder sonstiges.

Abschließend kann ich sagen, dass man hier mit Edubuntu mit sicherheit viel erreichen kann, jedoch muss Fionn dafür erstmal ein vernünftiges System herstellen, dafür wartet er gerade auf einen neuen Server den er bestellen möchte.
von Dominicano
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Friday, 11. december 2009 5 11 /12 /Dez. /2009 14:19
Seit gut 3 Monaten nun schon sind Arthur und ich nicht mehr allein hier in dem Rehabilitatoincentrum von Santo Domingo.
Und zwar wurden der Asociacion Dominicana de Rehabilitacion, von der weltwaerts-afs-Sommerausreise, 13 neue Freiwillige zugeteilt (obwohl die ADR höchstens 5-6 annehmen wollte).
So blieben 5 der Freiwilligen - Paula, Julia, Julia, Nina und Fionn - in Santo Domingo, die anderen wurden auf die Filialen der Reha verteilt, sind nun ganz ueber das Land verstreut.
Diejenigen, welche schon eine Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium vorlegen konnten, blieben in Santo Domingo, bei Arthur und mir: Paula Psychologiestudentin, Julia I Egotherapeutin, Julia II Krankenschwester/Altenpflegerin und Fionn Computerwissender (Programmierer/Informatiker)...

So wurden alle auch den Passenden Abteilungen zugeteilt. Psychologie,Chirurgie,Ergotherapie,Informatik und Trabajo Social.

Fuer Arthur und mich hiess das zunaechst, dass wir ab jetzt in der Mittagspause Gesellschaft haben, schon bald stellte sich aber heraus, dass das ganze auch mit mehr Arbeit verbunden ist. Denn, ausser einigen Vorkenntnissen (durch Volkshoschulkurse, selbst-lernen etc) war keiner der spanischen Sprache mächtig.
Dies bedeutete, Arhur und ich waren ab jetzt Vermittler, Dolmetscher, Ansprechpersonen und Helfer in allen Möglichen Dingen, um den Neuankömmlingen ihre ersten Wochen zu erleichtern.
Für die meisten diser genannten Arbeiten wäre zwar AFS zuständig gewesen (sie werden sogar dafür bezahlt, oder zumindest werden ihnen Gelder zur verfügung gestelle vom BMZ), aber als wir sahen, dass sie die Freiwilligen nichteinmal zu ihrem ersten Arbeitstag/dem ersten Kontakt mit ihrer neuen Arbeit begleiteten, war uns schon direkt klar, dass sie sich nicht allzuviel Arbeit machen werden für die Neuen. Nichtmals zu den ersten Treffen mit den Familien hat AFS sie begleitet... aber ich will nicht über das Thema AFS schreiben, da ich, jedesmal wenn ich auf das Thema komme, schlechte Stimmung bekomme/verbreite...

Da wir ja selber vor nicht allzulanger Zeit in der selben Lage waren, halfen wir natürlich gerne wo wir konnten, aber wie gesagt, es war anstrengend.

Nun ist schon einige Zeit ins Land gegangen, seit ihrer Ankunft. Sie haben sich schon alle ganz gut eingelebt, wissen z.b. die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und werden ab und an von den Einheimischen schon als "Tigere" bezeichnet, was in etwa bedeutet: 'du weisst ja schon wie's hier laeuft bei uns'.









von Dominicano
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Sunday, 6. december 2009 7 06 /12 /Dez. /2009 22:12
Gerade war ich mit meiner Gastfamilie im Nachbarhaus, weil dort eine große Willkommensfeier stattfindet, für einen der Söhe, Alberto, welcher soeben aus Spanien zurückgekehrt ist, wo er irgend eine Arbeit verrichtet hat.

Seinen Bruder, Aldo, habe ich schoneinmal kennen gelernt, da dieser für ein Jahr in Deutschland war und mein Gastbruder Augusto ihn mir damals direkt vorgestellt hat. Eben hat mir meine Gastfamilie dann auch direkt erzählt, dass Alberto auch für ein Jahr in Deutschland war vor einiger Zeit.
Habe ich mich schon gefragt, warum gerade Deutschland...!?

Naja, jedenfalls war ich kurz drüben, am reden mit den Brüdern und ihren Freunden, als ich feststelle, das hinten an der Wand ein Din-A4 großes, auf den ersten Blick unscheinbares Holzbrett hängt, auf welches in "offiziellen" Buchstaben, auch versehen mit der dominikanischen Flagge stand:

"En esta casa Trujillo es el jefe" / In diesem Haus Trujillo ist der Chef

Dies hat folgende Vorgeschichte: von 1930 bis 1961 regierte Rafaél Leónidas Trujillo die dominikanische Republik. Dieser war ein tyrannischen Diktator, der u.a. sympathien für Adolf H. hatte und die dominikanische Rasse "aufhellen" wollte Bei einer dieser "Aufhellungsaktionen" ließ er 25.000 haitianische Migranten umbringen, indem er seinen gefolgsleuten befahl, die schwarzen der Bevölkerung sollen das Wort "Perejil" (Petersilie) aussprechen. Da die Haitianer dies nicht akzentfrei hinbekommen, wurden sie als Ausländer entlarvt und hingerichtet.

Zurück zu dem Schild: zu Truijllos Zeit war es Gesetz dieses Schild in seinem Haus aufzuhängen, da man als Regiemegegner galt wenn man es nicht hatte. Noch heute hat der Diktator einige Anhänger, welche seine Familienpolitik befürworten... scherz.
Nein, seinen Anhängern geht es um die Sauberkeit der Stadt, die Ordnung die er hielt, mit den gefplegten Parks (auch indem er die Armen aus den schönen Parks fernhielt) usw. Mit sicherheit gab es auch einige weitere Vorteile für die obere Bevölkerungsschicht.

Der Diktator wurde 1961 - kurz nachdem 3 Landesbekannte Wiederständlerinnen, die Schwestern Mirabal, welche die bekanntesten der Regiemegegner waren, durch einen "Autounfall" zu Tode kamen - von 3 Attentätern ermordet.
von Dominicano
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Sunday, 6. december 2009 7 06 /12 /Dez. /2009 22:03
Ich hatte nun wieder lange keine Motivation einen Artikel zu schreiben, was ganz verschiedene Ursachen hat, von simplem Motivationsverlust über Überanstrengung (durch die ganzen Dinge die ich noch unternehmen muss in meinen letzten Wochen hier) bis hin zu, sich hinziehenden Krankheiten, wie meine Allergie, welche sich zurückgemeldet hat und mich veranlasst mindestens 2mal die Woche ein Antialergikum zu nehmen, was mich dann den ganzen Tag müde macht...

Das ganze endete darin, dass ich heute Nacht träumte einen Blogartikel zu schrieben, vermutlich weil ich oft darüber nachdachte nochmal was von mir hören zu lassen. Ich kann mich auch noch dran erinnern, dass ich in diesem Traum meine mangelnde Motivation zu erklären versuchte... haha

Nun gut, um das ganze ansehenlicher zu gestalten schreibe ich den folgenden Artikel auf einer neuen Seite,
viel Spaß beim Lesen! (was nicht bedeuted, dass er besonders witzig wird, der Artikel)...
von Dominicano
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